Der Balkon mit Privatsphäre – Sichtschutz mit Pflanzen

Eine allein stehende Immobilie, bei der ein Nachbar oder eine Verkehrsader weit mehr als einen Steinwurf entfernt ist, das wird es überwiegend in ländlichen Regionen geben. In der Regel wird es so sein, dass der Balkon von den Nachbarn oder sogar von den Passanten gut einsehbar ist. Da ist es nur verständlich, dass sich die Hausbewohner auch auf dem Freisitz die nötige Privatsphäre wünschen.

Ein Balkongeländer zum Schutz vor Sturz aus großer Höhe ist ohnehin Pflicht. Doch nicht jeder schätzt eine dort angebrachte Vollverkleidung. Es müsste eine Lösung gefunden werden, die zwei Anforderungen erfüllt. Zum einen relativ blickdicht von außen hin, zum anderen für die Freiluftfans nicht zu einengend. Hier kommt der Sichtschutz aus Pflanzen ins Spiel. Denn es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, den natürlichen Sichtschutz für ein Plus an Privatsphäre einzusetzen.

Die Balkonbepflanzung – in luftiger Höhe „im Grünen“ sitzen

Wer möchte, kann sich für den Balkon Sichtschutz zwei Eigenschaften von Pflanzgewächsen zunutze machen. Da sind zum einen die Gewächse, die durch ihre Wuchshöhe für Intimität sorgen. Dann gibt es zum anderen Gewächse, die sich an aufgehängten Körben herabschlingen und somit von oben nach unten Sichtschutz bieten. Wer das intelligent miteinander kombiniert, kann sich auf „Balkonien“ seine ganz individuelle Grünoase anpflanzen.



Es können Bereiche gestaltet werden, in denen man ganz ungestört sein will, andere Stellen öffnen sich nach außen hin und erlauben auch den ungestörten Blick von oben nach unten auf den sorgsam gepflegten Garten. Ideal für die „hängenden Gärten“ sind die sogenannten

  • Polsterstauden (winterhart) wie Karpatenglockenblume
  • Steinnelke
  • Silberteppichhornkraut
  • Felsenehrenpreis
  • Fettblatt
  • Moosverbene oder Bergsteinkraut

in unterschiedlichsten Farben und Sorten. Je nach Kombination entsteht so vom Frühjahr bis Herbst eine blühende Mauer. Wenn die Balkonpflanzen zu lang werden, können sie problemlos eingekürzt werden. Zudem sind sie sehr pflegeleicht, da sie aus kargen Regionen kommen.

Ideal für die Bepflanzung ist somit ein mit grobem Kiessand aufgearbeitetes, humusarmes Substrat. Und selbstverständlich sollten in den Blumenampeln auch nicht die nach dem Botaniker Leonhart Fuchs benannten „Fuchsien“ fehlen. Es ist im Übrigen ein Irrglaube, dass Fuchsien nur für den Schatten geeignet sind. Die Gattung ist so artenreich, dass es sie auch für die Sonne gibt und sich einige sogar als winterhart erweisen.

Und hier noch ein exotischer Tipp: der Schlangenkaktus. Diese Kakteen bilden ca. 1m lange herabhängende Triebe, die im Frühjahr reichhaltig blühen. Auch der sogenannte Schiefteller (Achimenes) bildet Triebe von über 75 cm Länge und erweist sich mit seinen großen Blüten als dekorative Ampelpflanze.

Kübelpflanzen – wie sich Wurzeln auch auf dem Balkon wohlfühlen

Zu den Ampelpflanzen gesellen sich zwecks Privatsphäre die Kübelpflanzen. Wer sich in mediterraner Atmosphäre entspannen will, der holt sich Palmen auf den sonnigen Freisitz. Inzwischen gibt es auch zahlreiche winterharte Balkonpflanzen wie

  • Blaue Hesperidenpalme (Brahea armata -11 °C)
  • Geleepalme (Butia capitata -11 °C)
  • Nadelpalme (Thapidophyllum hystrix -22 °C)
  • Louisiana Palmetto (Sabal minor lousiana -18°C) oder Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei -18 °C).

Für alle Balkonpflanzen gilt, dass auf keinen Fall beim Substrat gespart werden sollte und dass das Pflanzgefäß nicht zu klein gewählt wird. Das trifft im Besonderen auf den Pflanzhit für Balkonien zu: den Bambus. Sein immergrünes Laub und seine schwingenden Bewegungen lassen im Winter den Frühling erahnen. Fargesia Rufa wird bis zu 2,30 Meter hoch, ist dabei sehr breitwachsend und bis -26 °Celsius winterhart.

Vielleicht möchte die Dame des Hauses im Sommer nahtlos braun werden und wünscht sich für das Oben-ohne-Feeling eine absolut blickdichte Ecke?

Auch hierzu ein Tipp: Es muss nicht zwangsläufig die komplette Bambuspflanze sein. Wer möchte, kann sich einen blickdichten Zaun aus Bambusrohren „anpflanzen“. Im Handel ein Kunststoffpflanzgefäß kaufen, das über eine entsprechende Breite verfügt, bzw. zwei Stück in Reihe stellen. Im Baumarkt oder Pflanzenzentrum werden dann Bambusrohre in unterschiedlicher Länge besorgt und wechselweise hinten in das mit Substrat gefüllte Pflanzgefäß eingesetzt. In den Vordergrund kommen dann Bodendecker und ein paar größere Gewächse. Ein weißes Pflanzgefäß mit den hellbraunen Bambusstäben als Hintergrund und im Vordergrund die Grünpflanzen, das sieht richtig gut aus – zudem blickdicht und dennoch entsteht kein „Mauereffekt“.

Auch Balkonpflanzen verlangen nach Pflege

Eine Weisheit besagt: Geht es den Wurzeln gut, fühlt sich die komplette Pflanze wohl. Und das trifft im Besonderen im Winter zu. Selbst winterharte Balkonpflanzen verlangen nach etwas Schutz vor der kalten Jahreszeit. Wenn der Boden einfriert, kann die Pflanze keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen. Denn Kübel nicht direkt auf den Bodenbelag des Balkon stellen, sondern auf eine etwa 5 cm dicke Styroporplatte. Eine Luftpolsterfolie, um den Kübel gewickelt, bietet zusätzlichen Frostschutz.

Und wichtig: Balkonpflanzen vertragen keinen Temperaturschock. Die Hausbewohner meinen es zwar gut, aber die Balkonpflanze schätzt es nicht, wenn sie mit einem Mal vom kalten Balkon ins warme Wohnzimmer verfrachtet wird. Entsprechenden Frostschutz vorausgesetzt, kommen winterharte Balkonpflanzen mit den kühlen Temperaturen gut klar. Und im Frühjahr bis zum Indian Summer bieten sie den Hausbewohnern wieder wirksamen Sonnenbad-Sichtschutz. Viel Spaß dabei wünscht www.balkon.com.